So entwickel ich neue profitable Trading-Strategien

In diesem Artikel möchte ich meinen Community-Mitgliedern Denkanstöße geben, die für die Entwicklung neuer profitabler Handelssysteme wichtig sein können. Denn die Erfahrung zeigt, dass viele Trader trotz intensivster Arbeit vor den Charts und umfangreichen Backtests teilweise nach Jahren (!) noch auf keinen grünen Zweig im Trading kommen, entweder Verluste einfahren oder Break Even handeln. In der heutigen Ausgabe stelle ich daher mal eine alternative Vorgehensweise vor, die man zumindest mal ausprobieren sollte, auch wenn die Umstellung zunächst sicherlich ungewohnt ist.

Am Anfang ist die Idee

Am Anfang einer neuen Trading-Strategie steht stets die Idee. Manchmal lege ich so einfach völlig willkürlich eine Position in den nackten Markt ohne irgendwelche Analysen vorab zu betreiben und schaue dann, was ich aus der Situation machen kann, wenn sie in den Gewinn oder in den Verlust läuft. Die Möglichkeiten sind hier nämlich weitaus vielfältiger, als man meinen könnte. Und sie ergeben sich tatsächlich erst dann, wenn man es einfach mal macht! Diese Form des induktiven Ansatzes unterscheidet sich fundamental von althergebrachten Methoden der Strategie-Entwicklung. Allerdings erfordert sie zunächst ein fundamentales Umdenken des Traders, der von Beginn an seiner Karriere beständig darauf getrimmt wird, bestehende Charts zu analysieren und daraufhin Prognosen für die künftige Kursentwicklung zu stellen.

Induktion vs. Deduktion

Die klassische bisherige Form der Strategie-Entwicklung verläuft in der Regel nach einem deduktiven Ansatz: Ein bestehender Chart wird beobachtet, analysiert und eingeordnet, woraufhin wir versuchen, durch logische Schlussfolgerungen eine passende Strategie für diesen Markt zu finden. Natürlich ist das ein legitimer und weit verbreiteter Vorgang. So lernt man einen Markt kennen und kann seine Bewegungen in etwa einschätzen. Auch gibt ein bestehender Chart Auskünfte über das aktuelle Trendverhalten des beobachteten Marktes und somit darüber, wie ihn andere Marktteilnehmer derzeit einschätzen. Das große Problem an der Sache ist, dass Kursverläufe aus der Vergangenheit nichts oder nur sehr wenig mit künftigen Kursverläufen zu tun haben und wir daher einer optischen Täuschung unterliegen. Mit dem Ansatz der induktiven Strategie-Entwicklung gehe ich den umgekehrten Weg und versuche so, nachdem die Order(s) in den Markt gelegt wurde(n), eine Lösung für das Gesamtbild zu finden, sprich für die beste Orderverwaltung in diesem Moment und der Zukunft. Genauer gesagt versuche ich die Antwort darauf zu finden, wie sich eine willkürlich in den Markt gelegte Order in einem entsprechendem Marktumfeld verhält, das entweder volatil oder wenig volatil ist und wie ich die bestehende Order dergestalt manipulieren kann (wie z. B. durch Positionsgrößenvariationen, Stop-Management, Hedging, Risiko-Adjustierung und Scaling), dass sie entweder zu einem Gewinner wird oder wenigstens einigermaßen neutral wieder ausgebucht werden kann, ohne große Verluste auf einem Konto zu erzeugen. Diese Vorgehensweise muss nicht besser oder schlechter sein als die althergebrachte deduktive Methode, aber sie ist sicherlich eine interessante Variante und zeigt ihre Erfolge in der Praxis.

Im deduktiven Ansatz der Strategieentwicklung betrachten wir einen bestimmten Chart und versuchen daraufhin ein profitables Tradingsystem für diesen Chart zu kreieren.
Im deduktiven Ansatz der Strategieentwicklung betrachten wir einen bestimmten Chart und versuchen daraufhin ein profitables Tradingsystem für diesen Chart zu kreieren.
Beim induktiven Ansatz gehen wir stattdessen davon aus, dass die Bedingungen, die uns ein Chart aus der Vergangeheit anzeigt, keine wirkliche Relevanz für die Zukunft haben und legen willkürlich eine Order in den Markt um Strategien und Systeme zu finden, die Position bestmöglich in den Gewinn zu führen oder zumindest ohne großen Verlust wieder herauszukommen.
Beim induktiven Ansatz gehen wir stattdessen davon aus, dass die Bedingungen, die uns ein Chart aus der Vergangeheit anzeigt, keine wirkliche Relevanz für die Zukunft haben und legen willkürlich eine Order in den Markt um Strategien und Systeme zu finden, die Position bestmöglich in den Gewinn zu führen oder zumindest ohne großen Verlust wieder herauszukommen.

Risikobegrenzung

Der klassische meist in Deutschland geschulte Ansatz ist der folgende: Entweder der Trade läuft nach einer vordefinierten Distanz in den StopLoss oder in den Take Profit. Wie immer man dieses System dreht und wendet, aus dem Konzept „CRV mit richtiger Kursprognose“ kommt man mit dieser Methode nicht heraus. Ganz egal, welche Schule man anwendet, sei es technische, fundamentale oder Volumen- und Orderflow-Analyse oder Price Action. Der profitable Trader ist mit einem solchen System also immer auf seine Prognosefähigkeiten angewiesen, die stets besser sein müssen, als die der anderen Marktteilnehmer. Doch anders als im richtigen Leben geht im Trading auch „ein bisschen schwanger“ und damit sind Strategie-Varianten gemeint, die man anwenden kann, um seine Chance auf einen profitablen Trade zu erhöhen und das Risiko zumindest etwas abzumildern und zu „stretchen“. Anders als so zum Beispiel mit brachialer Macht die gesamte Position im Verlust ausstoppen zu lassen, kann ich im negativen Fall zum Beispiel mal versuchen, über eine gewisse ATR-Distanz erstmal nur Teilverluste zu realisieren und die Position dann wieder aufzustocken, wenn sie doch noch in meine Richtung dreht. An den „Rändern“ der täglichen ATR oder einer unsauber definierten Range, zum Beispiel bei offensichtlichen „runden Marken“ und wichtigen Widerständen, sei es nach den Regeln der Technischen oder der Volumenanalyse (z. B. VAH und VAL), oder wenn sich eine Divergenz im CumDelta abzeichnet, kann dieser Ansatz durchaus sinnvoll sein und hält mich unter Umständen noch dann im Spiel, wenn andere Trader ihren Totalverlust pro Position längst kassiert haben, nur weil sie nur von einem ärgerlichen und unnötigen Spike komplett aus dem Markt geholt wurden. Auf der anderen Seite kann ich im Gewinnfall auch mal versuchen, den Trade langsam auszubauen und aufzustocken, anstatt ihn direkt in den Take Profit laufen zu lassen, womit ich mich nicht nur weiterer Gewinne beraube, sondern stets das Risiko eines Neueinstiegs eingehen muss. Jede Vorgehensweise hat ihre entsprechenden Vor- und Nachteile. Und jeder Trader ist aufgrund seiner Persönlichkeit mit der einen oder anderen Methode erfolgreicher, da er sich mit ihr wohler fühlt.

1) Das Strategie-Konzept

Nicht selten geht bei mir eine neue Trading-Strategie aus einem bereits etablierten profitablen Handelssystem hervor, mit abgeänderten Parametern. Dazu sind Block und Kugelschreiber die ständigen Begleiter, denn erfahrungsgemäß kommen die besten Tradingkonzepte am Wochenende oder im Urlaub, wenn man nicht von Charts, Kursen, Nachtrichten und Social Media belagert wird und somit gedanklich frei ist, für neue Ansätze oder Strategie-Verbesserungen. So wird diese Trading-Idee also erstmal zu Papier gebracht und am nächstmöglichen Handelstag sofort in einem Demokonto umgesetzt. Um Zeit zu sparen, verzichte ich dabei komplett auf Back- und Forward-Tests, denn der Markt wird mir im Laufe der Zeit schon zeigen, wo es hängt. Auch muss vorab geklärt werden, ob es sich um einen Scalping-Ansatz für Range-Märkte oder einen Trendfolge-Ansatz für starke Trendmärkte handeln soll, was drastische Auswirkungen auf das Trade- und Risiko-Management hat.

Die neue Trading-Idee entsteht zunächst im Kopf, um dann auf dem Papier zu landen. Dabei werden mögliche Kursbewegungen und die Reaktionen darauf antizipiert. Erstaunlicherweise haben diese Ideen nicht immer was mit den realen Bedingungen zu tun die man vorfindet, wenn man das System im Anschluss tatsächlich aufsetzt. Daher verschwende ich nicht lange Zeit und es geht direkt mit der Idee ins Demokonto. Nach den ersten Tests landet ein Teil davon direkt wieder auf den Strategie-Friedhof, der Rest wird weitergepflegt und optimiert, bis es passt.
Die neue Trading-Idee entsteht zunächst im Kopf, um dann auf dem Papier zu landen. Dabei werden mögliche Kursbewegungen und die Reaktionen darauf antizipiert. Erstaunlicherweise haben diese Ideen nicht immer was mit den realen Bedingungen zu tun die man vorfindet, wenn man das System im Anschluss tatsächlich aufsetzt. Daher verschwende ich nicht lange Zeit und es geht direkt mit der Idee ins Demokonto. Nach den ersten Tests landet ein Teil davon direkt wieder auf den Strategie-Friedhof, der Rest wird weitergepflegt und optimiert, bis es passt.

2) Stresstest

Funkioniert die Strategie wie gedacht, ist das zwar erstmal schön, aber noch kein Grund zur Euphorie. Nur die Harten kommen in den Garten und so wird meist im Praxis-Test schnell klar, welche Strategien direkt im Papierkorb landen und mit welchen es sich lohnt weiterzuarbeiten, um sie profitabel zu machen. Bei manchen dauert es dennoch einige Wochen, bis sie ihr wahres Gesicht zeigen. Um eine Trading-Strategie einigermaßen robust zu bekommen, muss sie unter hoher Vola wie unter niedriger Vola funktionieren. Funktionieren heißt dabei nicht, dass sie zwingend beiden Phasen Geld verdienen muss, das wird schlichtweg nicht möglich sein. Aber sie sollte zumindest in einer der beiden Phasen kein oder nur wenig Geld verlieren. Das heißt, ich muss auf jeden Fall auch eine Antwort auf das worst-case-Szenario haben. Um die Strategie zu optimieren, kann man sein System dann insofern stressen, indem man es stark überhebelt und zuschaut, wie man die Situation wieder in den Griff bekommen kann. Auch kann es hilfreich sein, ein Range-System mal auf einen Trendmarkt loszulassen und umgekehrt, wie wir es bereits beschrieben haben. Zudem kann es helfen, einmal künstliche Fehler einzubauen um festzustellen, wie man sie wieder behoben bekommt oder die Strategie zu schwierigen Zeiten einsetzen, wie bei den Non-Farm-Payrolls oder zu wichtigen Zentralbankentscheidungen, wenn die Kursbewegungen völlig erratisch, volatil und unprognostizierbar werden.

3) Marktauswahl

Zu jeder Strategie gehört auch der passende Markt. So sollten wir für Trendstrategien die passenden Trendmärkte wählen und für Range-Märkte die passende Range-Strategie verwenden. Dabei zielt die grundsätzliche Marktanalyse und Marktauswahl auf zwei wesentliche Faktoren ab: Analyse der ATR unter verschiedenen Zeiteinheiten und die Wertigkeiten pro Punkt des entsprechenden Instuments, für das passende Risiko-Management. Auch die Liqudität in einem Wert sollte man nicht außer Acht lassen. Damit muss auch klar sein, ob und wenn ja wie viel Tradingkapital wir für unsere Trading-Strategie verwenden können, wieviel Margin wir brauchen und ob wir beispielsweise mit Order-Grids arbeiten können oder nicht. Um es abzukürzen, es macht einen gewaltigen Unterschied, ob wir einen FDAX mit 25 €/Punkt handeln möchten/müssen oder eine Forex-Strategie für den USDJPY aufsetzen, wo wir bis zum Lotwert von 0.01 Euro/Microlot herunterskalieren können. Beides braucht völlig unterschiedliche Strategie-Ansätze.

4) Von der Demo zur Live-Phase

Kann die Strategie auf dem Demokonto performen, wird es irgendwann Zeit, sie auf einen Live-Account loszulassen. Dabei schraube ich zunächst die Positionsgrößen extrem herunter, um vor unliebsamen Überraschungen sicher zu sein, falls ich etwas übersehen habe. Erst nach und nach sollte man die Positionsgrößen langsam experimentell erhöhen und ggf. wieder reduzieren wenn man merkt, dass es irgendwo hakt. Viele Dinge, die für ein profitables Handelssystem notwendig sind, merkt man schlussendlich nur im Live-Betrieb, wenn zum Beispiel die Orderkosten dazukommen oder im Future die Übernacht-Margin mit einkalkuliert werden muss. Nicht wenige Systeme sind einfach aufgrund einer unvorteilhaften Gebührenlage schon unprofitabel geworden. Detaillierte und bereits in der Praxis erprobte profitable Handelssysteme gibt es natürlich in unserem Strategiepaket.

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One thought on “So entwickel ich neue profitable Trading-Strategien

  1. Sehr informativ! Es ist immer ein Mehrwert deine Artikel (Videos) zu lesen (sehen).
    Danke dafür.

    P.S. Übrigens der Begriff „Strategie-Friedhof“ ist cool!

    VG
    Matthias

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